Artikel veröffentlicht am  13.02.2019

Karriereleiter Chemie-Industrie

Dank Weiterbildung bleiben Chemiemitarbeiter immer auf dem neusten Stand und können Karriere machen. Wir haben das Unternehmen Umicore besucht und erzählen am Beispiel eines Kaufmanns, wie das Weiterbildungsengagement die Chemieunternehmen zu attraktiven Arbeitgebern macht.

Karriere in der Chemie: Fit dank Weiterbildung

Mark Zeiger hat beim Chemieunternehmen Umicore Karriere gemacht. Foto: BAVC/Florian Lang

Mark Zeiger (37) blickt neugierig in die Zukunft. Sein Beruf hat ihn bereits nach Asien, Südafrika, Amerika und quer durch Europa geführt: Er verkauft katalytische Komponenten für Autoabgassysteme an namhafte Automobilhersteller. Angestellt ist er als „Sales Manager“ beim Materialtechnologiekonzern Umicore in Hanau (800 Mitarbeiter am Standort, 1800 bundesweit). „Dass ich im Berufsleben schon so weit gekommen bin, freut mich riesig“, sagt Zeiger. 

 

Starkes Engagement für Weiterbildung

Ermöglicht hat ihm die Karriere die Weiterbildung in der chemischen Industrie. Die Branche engagiert sich stark beim Thema Weiterbildung – und weit überdurchschnittlich im Vergleich mit anderen Industriezweigen:

 

  • 2016 machten 93 Prozent der Chemieunternehmen ihren Mitarbeitern Weiterbildungsangebote; in der Industrie insgesamt waren es nur 83 Prozent.
  • Mit gut 1.500 Euro pro Mitarbeiter investierten die Chemieunternehmen 50 Prozent mehr als der Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes.
  • Und auch beim Zeitumfang lag die Chemie mit 22,3 zu 15,3 Stunden deutlich vorne.

 

Zeiger startete nach dem Abi 2002 in Hanau eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der damaligen Degussa, um „möglichst breit“ aufgestellt zu sein. Ein Studium kam für ihn nicht in Frage, auch aus finanziellen Gründen. Er arbeitete ein paar Jahre, wechselte die Firma, kam 2008 als Vertriebsassistent zurück zu Umicore. Und ergriff ein paar Jahre später seine Chance: „Es wurde eine höherwertige Stelle frei, da habe ich mich mit Erfolg beworben. Mein Chef hat aber darauf gedrängt, dass ich mich dafür fortbilde.“ Neben dem Job studierte er deshalb Betriebswirtschaft und büffelte dreieinhalb Jahre lang immer donnerstags ab 14 Uhr sowie am Wochenende an der Uni. „Die Fehlzeiten, die ich aufgrund der Vorlesungen hatte, habe ich an anderen Wochentagen wieder reingeholt“, berichtet der junge Mann. „Das Unternehmen hat mich sehr unterstützt und mir zeitliche Flexibilität ermöglicht.“ 2015 hatte er den „Bachelor of Business Administration“ in der Tasche. 
 

Karriere in der Chemieindustrie: Fit durch Weiterbildung

Foto: BAVC/Florian Lang

Mehr Verantwortung, mehr Geld

„Schon während des Studiums habe ich einen deutlichen Gehaltssprung gemacht“, verrät Zeiger strahlend. Die Aufgabe mit mehr Verantwortung gefällt ihm sehr, locker wechselt er je nach Ansprechpartner zwischen Englisch und Deutsch. Einiges Handwerkszeug für die Arbeit hat er auch im Unternehmen gelernt. „Wir führen pro Jahr mehr als 150 Kurse durch“, berichtet Barbara Kriebitzsch (49) von der Personalentwicklung. Auch sie hat im Unternehmen die Karriereleiter erklommen: Nach einer kaufmännischen Ausbildung hat sie nebenberuflich studiert und ist heute für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich. „Wir haben allein sechs eigene Gruppensprachkurse, einige Trainings werden von unseren hauseigenen fachbezogenen Akademien und Plattformen angeboten“. 

 

Davon profitiere jeder, auch die Mitarbeiter im gewerblichen Bereich, etwa durch die verpflichtenden Sicherheitsschulungen, an denen nahezu 100 Prozent der Belegschaft teilnähmen. „Dazu kommen Sprach- und EDV-Kurse, berufsbezogene fachliche Kurse und überfachliche Kompetenztrainings, zum Beispiel für Kommunikation, Zeit- und Selbstmanagement oder Teamwork.“ Für Führungskräfte seien Entwicklungsprogramme mit den zentralen Themen Führung, Beurteilung und Förderung sowie Arbeitsrecht essenziell. 

Karriere in der Chemieindustrie: Fit durch Weiterbildung

Zeiger mit Barbara Kriebitzsch aus der Personalentwicklung. Foto: BAVC/Florian Lang

Ausbildungswissen reicht nicht fürs ganze Arbeitsleben

Ein sechsstelliger Betrag fließt jedes Jahr allein am Standort Hanau in die Weiterbildung. Das große Engagement erklärt Kriebitzsch so: „Unser Unternehmen lebt von Innovationen, wir sind technologisch ganz vorne dabei. Man denke nur an die Batterietechnologie, die Abgasreinigung oder das Thema Industrie 4.0. Da benötigen wir gut ausgebildete, kompetente, motivierte und gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Alle sollten körperlich und geistig fit sein, um möglichst lang und gesund an ihren Arbeitsplätzen arbeiten zu können. „Dafür ist natürlich jeder auch selbst verantwortlich und sollte das einfordern.“ 

 

Die Weiterbildung erhöht zudem die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber. Kriebitzsch: „Bei Bewerbungsgesprächen wird danach gefragt. Jeder weiß, dass das, was man in der Ausbildung oder im Studium lernt, nicht mehr für ein ganzes Arbeitsleben ausreicht.“ 

 

Bei Umicore profitiert jeder Beschäftigte rechnerisch jährlich von 15 bis 30 Stunden Fort- und Weiterbildung je nach Standort. Einige Kurse können Mitarbeiter online absolvieren, auch jene in der Produktion: „Jeder hat einen eigenen Computer oder Zugang zu einem“, erklärt die Personalerin. Und auch Mark Zeiger ist weiterhin bildungshungrig: „Mein vorrangiges Ziel ist es, in meinem Job noch besser zu werden. Und wer weiß, vielleicht setze ich dann sogar den Master drauf…“

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