Grafik veröffentlicht am  16.08.2018

Die Chemie im Branchenvergleich

In Tarifrunden ist vor allem eine Frage entscheidend: Wie geht es der Branche und wie sind die wirtschaftlichen Perspektiven? Für eine bessere Einschätzung der eigenen Branche ist es zudem hilfreich, über den Tellerrand hinauszublicken: Wie viel verdienen Kollegen in anderen Wirtschaftszweigen? Wie entwickelt sich die Produktivität? Wie sieht es mit Weiterbildung aus? Wir zeigen, wie die Chemie im Branchenvergleich abschneidet.

Entgeltniveau©BAVC

Die Beschäftigten von Chemie- und Pharmaunternehmen gehören zu den Topverdienern in der Industrie. Im Durchschnitt kam ein Vollzeitmitarbeiter 2017 auf 67 400 Euro Jahresbruttolohn. Und ein Tarifbeschäftigter immerhin auf 59 000 Euro. Nur in der Autoindustrie sind die Entgelte geringfügig höher. Das hohe Lohnniveau der Chemie verlangt Augenmaß in der Tarifpolitik, soll sich die Branche auch in Zukunft international behaupten können.

Unternehmen müssen sich mit ihren Personalkosten im globalen Wettbewerb durchsetzen. Neben dem eigentlichen Entgelt zählen dazu auch die Beiträge zur Sozialversicherung, jene für die Altersvorsorge und die Vergütung für Urlaubs-, Feier- und Krankheitstage. Wie hoch die Kosten für eine geleistete Arbeitsstunde tatsächlich sind, errechnet das Statistische Bundesamt alle vier Jahre. Nach den neuesten Zahlen kommt die Chemieindustrie auf mehr als 52 Euro. In einer Menge anderer Branchen sind die Arbeitskosten viel niedriger.

Pro Kopf möglichst viel produzieren und diese Produktivität ausbauen – das ist der Schlüssel zum Erfolg im globalen Wettbewerb. Den Chemieunternehmen ist das in den letzten Jahren weniger gelungen. Autoindustrie und Elektronikhersteller haben dagegen bei der Produktivität bis 2017 deutlich zugelegt. Erst im vergangenen Jahr hat die Chemie mit 1,2 Prozentpunkten Plus etwas aufgeholt. Das spricht eher für Maßhalten in der Tarifpolitik.

Weiterbildung wird in der Chemieindustrie groß geschrieben. Über 93 Prozent der Unternehmen machten im Jahr 2016 mit. Damit liegt die Branche deutlich über dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes, also der Industrie. Im Schnitt bildeten Chemiebetriebe ihre Mitarbeiter jährlich 22 Stunden weiter. Und sie investierten pro Beschäftigten 1 500 Euro.

40 Stunden in der Woche – für Bauarbeiter ist das die Wochenarbeitszeit. In der westdeutschen Chemie gilt die 37,5-Stunden-Woche, im Osten ein Korridor von 32 bis 40 Stunden. Mit einem gewichteten Durchschnitt von 37,6 Stunden liegt die Chemie damit laut Statistischem Bundesamt im Mittelfeld des Branchenrankings. Da demnächst die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, halten die Arbeitgeber eine weitere Verknappung des Arbeitsvolumens für den falschen Weg. Übrigens: Auch bei anderen Branchen fließen natürlich regional unterschiedliche oder Firmentarife in die Durchschnittsarbeitszeit ein.

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