Artikel veröffentlicht am  14.06.2018

Chemie-Tarifrunde: Faktencheck

Die Gewerkschaft IG BCE fordert in der Chemie-Tarifrunde eine kräftige Entgelterhöhung und doppeltes Urlaubsgeld, die Arbeitgeber argumentieren, diese Forderungen haben in Zeiten von Konjunkturrisiken nichts mit einer zukunftsfähigen Tarifpolitik zu tun. In unserem „Faktencheck“ stellen wir die Positionen der Sozialpartner gegenüber.

Faktencheck©AdobeStock

Die Chemie-Tarifrunde startet – die Verhandlungen beginnen am 20. Juni auf regionaler Ebene und werden ab September auf Bundesebene fortgesetzt. Es geht um 580.000 Beschäftigte in mehr als 1.900 Betrieben der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Die Gewerkschaft IG BCE fordert ein kräftiges Lohnplus, doppeltes Urlaubsgeld und eine Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen. Wir haben die Forderungen der IG BCE im Faktencheck analysiert.

Das sagen die Arbeitgeber: Mit sechs Prozent mehr Entgelt und einem Prozent on top für mehr Urlaubsgeld fordert die IG BCE mehr als alle anderen Gewerkschaften in der Tarifrunde 2018. Und das, obwohl sich die wirtschaftliche Dynamik bereits abschwächt und die Gefahren für die Konjunktur offensichtlich sind. Da ist etwa der Brexit, dessen Folgen noch nicht absehbar sind. Und da ist die „America first“-Politik von US-Präsident Donald Trump, die ein neues Zeitalter der wirtschaftlichen Abschottung einleiten könnte. Zudem steigen die Ölpreise. Und auch die globalen Marktanteile verschieben sich stetig. Jetzt kommt es darauf an, die Bodenhaftung zu behalten. Jedes dauerhafte Lohnplus müssen sich die Unternehmen auch dann noch leisten können, wenn die Geschäfte wieder schlechter laufen. Eine Sonderkonjunktur können wir unter anderem mit einer Sonderzahlung honorieren. Dann sind wir besser aufgestellt, sobald der Weg wieder steiniger wird. Ohnehin ist das Lohnniveau in der chemisch-pharmazeutischen Industrie bereits heute sehr attraktiv: In der Chemie verdienen Tarifbeschäftigte in Vollzeit im Schnitt über 59.000 Euro im Jahr. Das ist Spitze in Deutschland.

Das sagen die Arbeitgeber: Auch mehr Urlaubsgeld ist Geld, das die Personalkosten der Unternehmen erhöht. Die Forderung nach einer Verdopplung des Urlaubsgelds kommt einer zusätzlichen Entgeltforderung von mehr als 1 Prozent gleich. Die Unternehmen brauchen Luft zum Atmen: Für Investitionen, Innovationen und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Das sagen die Arbeitgeber: Die Arbeitswelt verändert sich in einem rasanten Tempo. Die Tarifrunde ist der passende Rahmen, um bei der Gestaltung des digitalen Wandels Fortschritte für beide Seiten zu erzielen. Technische Möglichkeiten machen die Arbeitswelt zeitlich, räumlich und inhaltlich flexibler. So wird zum Beispiel immer häufiger fachübergreifend zusammengearbeitet. Aber auch die Ansprüche der Kunden werden individueller. Damit steigen die Anforderungen an die Flexibilität und Kompetenz der Mitarbeiter. Zugleich wird der Fachkräfteengpass aufgrund des demografischen Wandels sichtbar: Stellen bleiben immer öfter unbesetzt. Aus verschiedenen Gründen setzen viele Chemie- und Pharmaunternehmen deshalb schon heute auf flexible Arbeitszeitmodelle – um für Fachkräfte attraktiv zu sein und ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu ermöglichen, aber auch, um Geschäftschancen durch die Digitalisierung zu nutzen. Bei aller Flexibilität muss aber sichergestellt sein, dass den Unternehmen das nötige Arbeitsvolumen jederzeit zur Verfügung steht.

Weitere Inhalte aus dem Themenschwerpunkt Chemie-Tarifrunde

Grafik

Konjunkturcheck

Grafikstrecke – Die Wirtschaftsdaten zur Chemie-Tarifrunde.

Video

Tarifverhandlungen einfach erklärt

Erklärvideo: So funktioniert eine Tarifrunde.

Artikel

Wirtschaftliche Lage

Die fünf größten Risiken für die Chemiebranche.