Artikel veröffentlicht am  20.03.2019

Bedeutung der Europäischen Union: Politik diskutiert mit Chemiebranche

Welche Bedeutung hat die Europäische Union – etwa für ein sächsisches Arzneimittelwerk? Beim Europadialog der Chemie- und Pharmaindustrie im Vorfeld der Wahlen zum Europaparlament sind sich die EU-Abgeordneten Reinhard Bütikofer und Peter Jahr mit Vertretern des Pharmawerks Menarini – von Heyden in Dresden einig: Nur eine starke und funktionsfähige EU gewährleistet weiterhin unseren Wohlstand und sichere Jobs. Dafür gibt es aber noch einiges zu tun.

Die Bedeutung Europas für den Chemie-Standort

Bütikofer, Europaabgeordneter der Grünen und industriepolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion, und Jahr, Agrarpolitiker und für die Europäische Volkspartei (Christdemokraten) im Europaparlament, nutzen die Veranstaltung nicht zur Selbstbespiegelung und zum Wahlkampf in eigener Sache vor den Europawahlen am 26. Mai. Vielmehr wollen sie von der Runde – das Management des Pharmawerks, Mitglieder des Betriebsrats, Interessierte aus der Belegschaft sowie Vertreter des VCI Nordost und der IG BCE – wissen, was Europa von ihnen verlangt, was es ihnen, ihrem Standort und ihrer Arbeit bringt. Und sie fragen auch, wo aus ihrer Sicht Problemfelder liegen, Lösungen erwartet werden.

 

Als Grundlage dafür stellt Werkleiter Edwin Anton die traditionsreiche, 1874 gegründete Fabrik mitten in Dresden vor: „Seit der Übernahme 2006 durch Menarini ist das Werk ständig gewachsen, produktiver geworden. In den vergangenen zwölf Jahren sind über 60 Millionen Euro in die Modernisierung investiert worden.“ Aktuell arbeiten im Tarifbetrieb über 400 Beschäftigte, knapp die Hälfte davon Frauen. Jedes Jahr fertigen sie 2.200 Tonnen Tabletten für den weltweit tätigen italienischen Menarini-Konzern mit Sitz in Florenz (17.000 Mitarbeiter). 2019 soll es weiter aufwärtsgehen.

Menarini - von Heyden setzt auf Europa

Sie produzieren Generika, lizensierte Produkte, aber auch neuentwickelte Pharmaka des italienischen Konzerns. Insgesamt fast die Hälfte der weltweit in 142 Ländern vertriebenen Menarini-Medikamente in fester Darreichungsform. Warum in Europa und nicht etwa in asiatischen Billiglohnländern? „Die politische Lage in der EU ist stabil und berechenbar. Die Handelsbeziehungen in alle Welt wie auch die Produktion unterliegen festen Regeln und die Lieferkette im EU-Raum funktioniert reibungslos“, umreißt Werkleiter Anton die Vorzüge des Standorts. Die Lage in der Stadt und unweit der Autobahn sei zudem gut für die Logistik.

 

Bütikofer nickt, er weiß aus Verhandlungen um Freihandelsverträge vom großen Interesse der US-Pharmafirmen an den strikten, aber überschaubaren EU-Regulierungen. Über die Gesprächsthemen EU-Fälschungsschutzrichtlinie und Datenschutzgrundverordnung kommt das schon länger bekannte Dilemma der Pharmawirkstoff-Produktion auf. Wieso werden diese fast nur noch in China und Indien produziert, zwar preiswert, aber dort oftmals zu Lasten von Gesundheit, Sicherheit, Umwelt? Sind wir Europäer da nicht in eine Abhängigkeitsfalle geschlittert? Wie stellt man Versorgungssicherheit, wie wieder fairen Wettbewerb her?

„Europa braucht eine gemeinsame Industriepolitik“

CDU-Mann Peter Jahr sagt zu Reinhard Bütikofer: „Das Thema könnten wir gemeinsam noch mal aufs Tapet bringen!“ Der Grünen-Politiker wird grundsätzlich: „Wir brauchen in Europa eine gemeinsame Industriepolitik. Eine Strategie, die unserer Industrie im Wettbewerb mit Asien und den USA eine Zukunft garantiert.“ Man dürfe nicht auf Kosten künftiger Generationen oder zu Lasten von Umwelt und Klima wirtschaften, nur so könne Europa bestehen, ließen sich soziale Probleme fernhalten.

 

Zustimmung in der Runde. Der Weg zu einer starken und funktionsfähigen EU, die Probleme nicht vor sich her schiebt, sondern rasch löst und die im Wettlauf mit den Supermächten USA und China bestehen kann, bleibt heute offen. Der richtige Weg ist nach dem Treffen auch Thema in vielen Gesprächen. Sicher ist nur, so das Fazit der zwei Stunden in Dresden: Erreichen können die europäischen Staaten nur etwas, wenn sie als Union zusammenarbeiten.

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