Artikel veröffentlicht am  18.04.2019

10 Vorteile in Europa für Arbeitnehmer

Immer wieder heben Unternehmen die Vorteile der EU für die Wirtschaft hervor. So sorgen etwa Freihandel und internationale Kooperationen für bessere Zahlen und neue Innovationen. Aber nicht nur die Betriebe ziehen einen Nutzen aus einem vereinten Europa, auch ihre Arbeitnehmer profitieren unmittelbar und auf ganz unterschiedlichste Weise von der Europäischen Union. Wir haben zehn Gründe herausgearbeitet, wie Arbeitnehmer von der EU profitieren.

1. Mehr Arbeitsplätze durch Freihandel

Der europäische Binnenmarkt fördert durch die Abschaffung von Zöllen den Handel von Gütern und Dienstleistungen zwischen den Mitgliedsstaaten. Davon profitieren auch Verbraucher und Arbeitnehmer – zum einen durch den Zugang zu einem größeren Angebot, zum anderen auch von den durch den Handel geschaffenen zusätzlichen Arbeitsplätzen: Fast 2,8 Millionen Stellen (Quelle: Europäisches Parlament hat der EU-Binnenmarkt bereits kreiert.

2. Freizügigkeit: Freier Personenverkehr

Deutschland, Frankreich oder vielleicht Estland? EU-Bürger dürfen in jedem der Mitgliedsstaaten einem Job nachgehen und dafür dort wohnen – auch ohne Arbeitserlaubnis. Das ist durch den freien Personenverkehr (auch „Freizügigkeit“ genannt) möglich. Er ist eine der vier Grundfreiheiten der Europäischen Union. Für Arbeitnehmer schafft dies die Möglichkeit, neue Erfahrungen im Ausland zu machen und dort andere Lebensstile kennenzulernen und Herausforderungen zu meistern.

3. Gleichstellung im Beruf

Trotz aller Fortschritte in den vergangenen Jahren haben Frauen am Arbeitsmarkt zum Teil noch Nachteile. Die EU setzt sich für die Gleichstellung der Geschlechter ein und hat dafür 2010 das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen ins Leben gerufen. Das Institut erarbeitet für die Mitgliedsstaaten Studien über den Stand der Ungleichheit sowohl im Arbeitsleben als auch im gesellschaftlichen Alltag und überwacht die Einhaltung der Gleichstellungsziele.

4. Einstieg ins Arbeitsleben für junge Leute

Nach Schule, Ausbildung oder Studium ist es nicht immer einfach, direkt in den Arbeitsmarkt zu starten. Die EU hilft jungen Leuten beim Übergang mit verschiedenen Projekten.

Über die Plattform ErasmusIntern vermittelt sie beispielsweise Praktikumsstellen in den EU-Ländern und hilft den jungen Leuten, erste internationale Berufserfahrungen sammeln. Bei Drop'pin@EURES können sie sich darüber hinaus auch für andere Chancen bei Unternehmen bewerben, unter anderem Ausbildungen, Traineeships, Weiterbildungsprogramme und eLearning-Kurse.

5. EU-Projekte gegen Arbeitslosigkeit

Mit dem Europäischen Sozialfonds bekämpft die EU Arbeitslosigkeit und setzt sich für soziale Integration ein. Er unterstützt Menschen bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt und ins gesellschaftliche Leben. Für jede Förderperiode von sieben Jahren bekommen die Mitgliedsstaaten vom Fonds Mittel zur Verfügung, die sie für Projekte mit entsprechendem Schwerpunkt einsetzen können. In der aktuellen Förderperiode bis 2020 liegt in Deutschland der Fokus auf Projekten zur Fachkräftesicherung, zur sozialen Inklusion und Armutsbekämpfung, der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit und der Verbesserung des Bildungsniveaus und des lebenslangen Lernens.

6. Klare Arbeitszeitregelungen

In ihrer Arbeitszeitrichtlinie legt die EU für alle Mitgliedsstaaten Regeln fest, welche Arbeitnehmern faire Arbeitszeiten garantieren. Dazu gehören unter anderem eine Obergrenze der wöchentlichen Arbeitszeit (48 Stunden), festgelegte Ruhezeiten, das Recht auf Pausen bei Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden am Tag, Jahresurlaub und der besondere Schutz von Nachtarbeitern.

7. Schutz für Teilzeitarbeiter

Flexiblere Arbeitszeiten sind bei Arbeitnehmern immer beliebter. Dazu gehört auch die Teilzeit. Mit Rechtsvorschriften zur Teilzeit will die EU die Qualität von Teilzeitbeschäftigung verbessern. Arbeitgeber müssen ihren Teilzeitmitarbeitern die gleichen Beschäftigungsbedingungen wie Vollzeitbeschäftigten anbieten. Dazu gehören unter anderem Gehalt, Kündigungsfristen, Urlaubsansprüche und Mindeststandards zu Arbeits- und Ruhezeiten. Außerdem vereinfachen sie die Teilzeitarbeit auf freiwilliger Basis.

8. EU stärkt Mitspracherecht von Arbeitnehmern

Arbeitnehmer sind direkt von Unternehmensentscheidungen betroffen und haben deshalb auch ein Recht auf Mitsprache und Teilhabe im Unternehmen. Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union stärkt die diesbezüglich national geltenden sozialen Rechte von Arbeitnehmern wie Vereinigungsfreiheit, die Autonomie der Gewerkschaften und das Streikrecht. Außerdem sprechen Arbeitnehmervertreter auf europäischer Ebene beim Sozialen Dialog in der EU und im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss für die Interessen der Beschäftigten und gestalten so die europäische Wirtschaftspolitik mit.

9. Europäische Bildung

Wer bereits auf dem Bildungsweg einen Blick über den Tellerrand geworfen hat, kann bei der Stellenbewerbung häufig punkten. Eine Möglichkeit, bereits während des Studiums neue Erfahrungen zu machen, liefert Erasmus+: Mit dem EU-Programm können Studierende für bis zu zwölf Monate Hochschulen in Europa und der ganzen Welt besuchen. Der Auslandsaufenthalt eröffnet den Teilnehmern schon im jungen Alter neue Perspektiven und Herangehensweisen, lässt sie ihre Sprachkenntnisse verbessern und soziale Fähigkeiten wie Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein stärken, die später im Arbeitsleben gefragt sind.

10. Sicherung des Gesundheitsschutzes

Gelegentlich müssen Arbeitnehmer Aufgaben übernehmen, die ein gewisses Risiko mit sich bringen. Um die damit einhergehenden Gefährdungen zu minimieren, hat die EU für alle Mitgliedsstaaten ein verbindliches europäisches Arbeitsschutzrecht mit einheitlichen Mindeststandards festgelegt. Arbeitgeber müssen beispielsweise mit einer Gefährdungsbeurteilung die Risiken feststellen und dokumentieren und unter Beteiligung der Mitarbeiter Präventivmaßnahmen entwickeln. Diese Beurteilung muss in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

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