Grafik veröffentlicht am  03.09.2019

Die Chemie im Branchenvergleich

Für die Chemie-Tarifrunde 2019 sind die wirtschaftliche Lage und die Perspektiven der Unternehmen entscheidend. Sie stecken ab, wie viel möglich ist bei den Verhandlungen. Interessant ist aber auch, wie die Chemie bei anderen wichtigen Indikatoren im Vergleich zu anderen Branchen abschneidet. Die wichtigsten Faktoren im Überblick:

Gehaltsvergleich: Das Entgeltniveau in der Chemie ist schon spitze

Die Beschäftigten von Chemie- und Pharmaunternehmen gehören zu den Topverdienern in der Industrie. Im Durchschnitt kam ein Vollzeitmitarbeiter 2018 auf 68.716 Euro Jahresbruttolohn. Nur in der Autoindustrie sind die Entgelte etwas höher. Das hohe Lohnniveau der Chemie verlangt Augenmaß in der Tarifpolitik, soll sich die Branche auch in Zukunft international behaupten können.

Arbeitskosten: Die Chemie rangiert weit oben

Unternehmen müssen sich mit ihren Personalkosten im globalen Wettbewerb durchsetzen. Neben dem eigentlichen Entgelt zählen dazu auch die Beiträge zur Sozialversicherung, jene für Betriebsrenten und die Vergütung für Urlaubs-, Feier- und Krankheitstage. Aktuell kommt die Chemieindustrie auf mehr als 55 Euro. In vielen anderen Industriebranchen sind die Arbeitskosten deutlich niedriger.

Produktivität: Die Chemie hinkt hinterher

Pro Kopf möglichst viel produzieren und diese Produktivität ausbauen – das ist der Schlüssel zum Erfolg im globalen Wettbewerb. Den Chemieunternehmen ist das in den vergangenen Jahren kaum gelungen. Die Elektronikhersteller haben dagegen bei der Produktivität deutlich zugelegt. Auch Maschinenbau und Autoindustrie schneiden besser ab. Noch immer ist die Produktivität der Chemie niedriger als 2010. Auch das spricht für Zurückhaltung in der Tarifpolitik, denn jeder Euro, der zusätzlich verteilt werden soll, muss auch erwirtschaftet werden.

Weiterbildung: Chemie engagiert sich weit überdurchschnittlich

Weiterbildung wird in der Chemie großgeschrieben. Über 93 Prozent der Unternehmen machen mit. Somit engagiert sich die Branche deutlich mehr als der Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes, also der Industrie. Im Schnitt bildeten Chemiebetriebe ihre Mitarbeiter zuletzt jährlich 22 Stunden weiter, 46 Prozent länger als in der Industrie insgesamt. Und sie investierten pro Beschäftigten um die Hälfte mehr: über 1.500 Euro.

Arbeitszeiten: In vielen Branchen länger als in der Chemie

40 Stunden müssen Bauarbeiter jede Woche ran. In der westdeutschen Chemie gilt die 37,5-Stunden-Woche, im Osten ist es ein Korridor von 32 bis 40 Stunden. Mit einem gewichteten Durchschnitt von 37,6 Stunden liegt die Chemie damit laut Statistischem Bundesamt im Mittelfeld des Branchenrankings. Da bald die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, halten die Arbeitgeber eine weitere Verknappung der Arbeitszeit für den falschen Weg: Dann könnten Unternehmen Gefahr laufen, dass ihnen Mitarbeiter fehlen, um Aufträge zu erledigen.

 

Übrigens: Auch in anderen Branchen fließen regionale oder Firmentarife in die Durchschnittsarbeitszeit der Statistiker ein. So ergeben sich rechnerische Abweichungen zwischen Durchschnittswerten und tariflich vereinbarten Arbeitszeiten.

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