Artikel veröffentlicht am  03.09.2019

Chemie-Tarifrunde 2019: Faktencheck

Die Chemie-Tarifrunde startet - die Verhandlungen beginnen am 30. September auf regionaler Ebene. Es geht um 580.000 Beschäftigte in 1.900 Betrieben der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Die Gewerkschaft IG BCE fordert ein reales Lohnplus, ein "Zukunftskonto" in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr sowie eine Pflegezusatzversicherung für jeden Tarifbeschäftigten, außerdem mehr Engagement in der Weiterbildung.

 

Die Forderungen der IG BCE im Faktencheck:

Forderung 1: Eine "reale" Lohnerhöhung, also höher als die Inflation (Prognose für 2019: 1,5 Prozent)

Das sagen die Arbeitgeber:

Die Industrie in Deutschland befindet sich in einer Rezession. Die Nachfrage sinkt in vielen Bereichen. Ungelöste Handelskonflikte und verstärkte Brexit-Sorgen belasten die Märkte. Für 2019 erwartet unsere Branche Verluste bei Produktion (minus 6 Prozent) und Umsatz (minus 5 Prozent) . Kostendisziplin ist das Gebot der Stunde. Wenn die Branche schrumpft, können die Entgelte nicht steigen.


Zugleich befindet sich die gesamte Industrie in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Umfangreiche Investitionen sind notwendig in Digitalisierung, Klimaschutz, E-Mobilität und Kreislaufwirtschaft. Die Unternehmen benötigen erhebliche finanzielle Ressourcen für Investitionen, die Standorte und Arbeitsplätze zukunftsfähig machen. Diese wirtschaftlichen Realitäten und Erfordernisse müssen auch das Ergebnis der Chemie-Tarifrunde bestimmen.

Forderung 2: Ein "Zukunftskonto" von 1.000 Euro je Tarifmitarbeiter und Jahr zur individuellen Nutzung, etwa für zusätzliche freie Tage oder zum Ansparen für längere Auszeiten

Das sagen die Arbeitgeber:

Die Gespräche zur Roadmap Arbeit 4.0 zeigen deutlich, dass die Vorstellungen weit auseinanderliegen. Uns geht es um mehr Flexibilität, nicht um mehr Freizeit. Flexibler zu arbeiten bedeutet nicht, weniger zu arbeiten. Eine Verschärfung des Fachkräftemangels auch noch mit einem Zukunftsbetrag zu finanzieren, geht in die völlig falsche Richtung.

Forderung 3: Eine "Qualifizierungsoffensive" zur Begleitung des digitalen Wandels mit mehr Mitsprache für Betriebsräte und Vertrauensleute

Das sagen die Arbeitgeber:

Die betriebliche Weiterbildung ist ein Schlüssel zur erfolgreichen Transformation. Daran müssen sich beide Seiten beteiligen. Dazu gehört auch, die Eigenverantwortung und den Eigenbeitrag der Beschäftigten weiter zu stärken. Die kontinuierliche Qualifikation der Belegschaften ist eine gewaltige Investition, von der Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren. Da ist es nur konsequent, dass sich beide Seiten an dieser Investition beteiligen.

Forderung 4: eine tarifliche Pflegezusatzversicherung zur Absicherung im Pflegefall

Das sagen die Arbeitgeber:

Eine zusätzliche tarifliche Absicherung der Beschäftigten für den Pflegefall mag sinnvoll sein, aber sie kostet Geld. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation dürfen die Arbeitskosten nicht steigen.

 

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