Video veröffentlicht am  09.10.2019

Die regionalen Verhandlungen in der Tarifrunde #Chemie2019

Die Tarifrunde Chemie#2019 für 580.000 Beschäftigte in 1.900 Chemie- und Pharma-Unternehmen läuft. Begonnen hat sie mit Gesprächen zwischen der Gewerkschaft IG BCE und den Chemie-Arbeitgebern in einzelnen Regionen. Ende Oktober wird sie auf Bundesebene fortgesetzt. In unseren Videointerviews ziehen die regionalen Verhandlungsführer der Chemie-Arbeitgeber ihr Fazit aus den ersten Gesprächen und erklären, worauf es in der Bundesrunde ankommen wird.

Die Verhandlungen in Hessen

Wie sind die Tarifverhandlungen zwischen Chemie-Arbeitgebern und IG BCE in Hessen verlaufen? Antworten im Video von Matthias Bürk, Verhandlungsführer der Arbeitgeber:

Wie haben Sie die Verhandlungen erlebt? Wie war die Atmosphäre?

Es war insgesamt keine einfache Gesprächssituation, keine einfache Verhandlungsrunde. Was mich am meisten beeindruckt hat, sind die völlig unterschiedlichen Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage.

 

Wie ist denn die wirtschaftliche Lage?

Was wir festgestellt haben, ist: Die Produktion sinkt und die Umsätze sinken und gleichzeitig scheint der anhaltende Beschäftigungsaufbau ins Stocken geraten zu sein. Und dort haben wir keine gemeinsame Einschätzung gefunden.

 

Was haben Sie als Arbeitgebervertreter besonders deutlich gemacht?

Wir haben heute besonders deutlich gemacht, dass das Forderungspaket der IG BCE zu komplex und zu teuer ist. Wenn die Branche schrumpft, ist Kostendisziplin oberstes Gebot.

 

Was ist nun bei den Verhandlungen auf Bundesebene nötig?

Wir haben erwartungsgemäß heute kein Ergebnis erzielt. Wir haben sehr intensiv die wirtschaftliche Lage diskutiert. Auf der Bundesebene erwarte ich nun, dass wir die einzelnen Punkte des sehr komplexen Forderungspaketes im Einzelnen diskutieren. Und dabei gibt es noch sehr viele offene Punkte.

Die Verhandlungen in Rheinland-Pfalz

Wie sind die Tarifverhandlungen zwischen Chemie-Arbeitgebern und IG BCE in Rheinland-Pfalz verlaufen? Antworten im Video von Hans Oberschulte, Verhandlungsführer der Arbeitgeber:

Die Gewerkschaft hat keine konkrete Zahl genannt. Macht es das nicht einfacher?

Es wurde keine Prozentforderung genannt, aber es werden natürlich Prozente gefordert. Und wenn Sie die Forderungen nehmen, die im Raum stehen – sowohl eine Entgelterhöhung als auch die Pflegezusatzversicherung, ein Zukunftskonto und die Qualifizierungsoffensive –, dann wird glaube ich klar, dass dahinter tatsächlich immer noch eine Forderung steht, die höher ist als das, was wir heutzutage wirtschaftlich rechtfertigen können.

 

Neben der Lohnsteigerung fordert die Gewerkschaft ein Zukunftskonto. Ist dies nicht der richtige Zeitpunkt für die Chemie, um wieder neue Maßstäbe bei Tarifabschlüssen zu setzen?

Grundsätzlich ja. Durchaus gibt es in dem Zukunftskonto die Chance, Innovationen auch in der Tarifpolitik zu bedenken und zu vereinbaren. Das stimmt schon. Am Ende muss aber all das auch finanziert werden und es müssen die materiellen Mittel da sein, um diese Dinge zu bezahlen. Und das ist in der momentanen Situation das Problem.

 

Eine weitere Forderung ist die arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzversicherung. Ist dies ein gutes Instrument im demografischen Wandel?

Auch da wieder muss man zwei Dinge unterscheiden. Inhaltlich gibt es gute Ideen im Zusammenhang mit der Pflegezusatzversicherung. Auch wir sehen natürlich, dass das Thema Pflege immer wichtiger wird. Aber auch das muss am Ende finanziert und bezahlt werden und da ist die Frage, wie das heutzutage funktionieren kann.

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