Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet

Hier finden Sie Antworten der Chemie-Arbeitgeber auf viele Fragen, die Mitarbeiter und Unternehmen unserer Branche bewegen. Unsere Antworten sind verständlich aufbereitet und greifen aktuelle Entwicklungen auf, die in den Betrieben diskutiert werden.

 

Die globalen Wettbewerber haben Deutschland gegenüber vor allem bei den Kosten und der Regulierung Vorteile. Die politisch gewollten Strompreissteigerungen, angetrieben durch die steigende EEG-Umlage, belasten die energieintensive Chemiebranche besonders. Auch die Arbeitskosten sind in Deutschland so hoch wie an kaum einem anderen Chemiestandort. Besser müssen die Rahmenbedingungen im Bereich Infrastruktur werden. So haben Bund und Länder nicht nur die für die transportintensive Chemieindustrie wichtigen Schienen-, Straßen- und Wasserstraßennetze zu lange vernachlässigt. Auch der flächendeckende Breitbandausbau als Lebensader der immer digitaleren Industrie muss besser organisiert und mit Priorität vorangetrieben werden. Gerade kleine und mittlere Unternehmen belastet zudem der nach wie vor hohe bürokratische Aufwand bei Investitionen, etwa wenn es um Neubauten geht. Nur eine zukunftsfähige Infrastruktur und ein innovationsfreundliches Umfeld auch für neue Technologien werden dazu führen, dass die Unternehmen weiterhin am Standort Deutschland investieren.

Viele Vorhaben der großen Koalition könnten die Flexibilität der Unternehmen einschränken, ihre Kostenbelastung steigern – und dadurch ihre Position im Wettbewerb verschlechtern. Änderungen bei den Regeln für Befristungen sowie ein Rückkehrrecht aus Teil- in Vollzeit erschweren die Personalplanung der Unternehmen. Sie erzeugen bürokratischen Aufwand und nehmen den Unternehmen zugleich die Möglichkeit, ihren Mitarbeiterbedarf flexibel an die Nachfrage anzupassen. Angesichts eines durch die Digitalisierung immer schnelleren und individuelleren Auftragseingangs ist das ein schlechtes Signal, zumal Kunden sich immer leichter mit globalen Wettbewerbern vernetzen können, die häufig flexibler sind. Zum Wettbewerbsfaktor dürfte auch die vereinbarte Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge werden: Diese wird die ohnehin hohen Arbeitskosten ab 2019 weiter steigen lassen.

Ein Lichtblick im Koalitionsvertrag sind die geplanten „Experimentierräume“ im Arbeitszeitgesetz. Tarifgebundene Unternehmen können darin individuelle, zukunftsträchtige Arbeitsmodelle für die digitalisierte Chemieindustrie erproben. So könnten Lösungen mit branchenweitem Vorbildcharakter entstehen, von denen der Chemiestandort insgesamt profitiert.

Die ausführliche Bewertung des Koalitionsvertrags finden Sie hier.

Die Digitalisierung wird das Arbeiten in der Chemie- und Pharmaindustrie verändern, sie wird Menschen, Produkte und Systeme innerhalb eines Werks, aber auch über Werks- und Ländergrenzen hinweg noch enger vernetzen. Für den Chemiestandort Deutschland ist das zunächst eine Chance. Unternehmen können ihre ohnehin automatisierten Fertigungsprozesse noch stärker an Maschinen delegieren. Mitarbeiter würden so von Routinetätigkeiten entlastet und hätten mehr Zeit für kreatives, innovatives und wertschöpfendes Arbeiten. In Labors entstünden durch schnellere Rechner und Anwendungen wie Virtual- und Augmented Reality neue Möglichkeiten bei der Simulation und Durchführung von Versuchen. Auch können die Unternehmen individuellere Produkte in kleineren Mengen wirtschaftlich fertigen.

Davon können allerdings alle Chemiestandorte profitieren, die rechtzeitig in die technische Infrastruktur investieren und ihre Mitarbeiter entsprechend qualifizieren. Hier geht es also buchstäblich darum, nicht den Anschluss zu verlieren und den flächendeckenden Breitbandausbau voranzutreiben. Wettbewerber wie Südkorea sind da deutlich weiter. Was die Qualifizierung angeht, profitiert hingegen Deutschland von seinem System der dualen Berufsausbildung sowie der Sozialpartnerschaft in der Chemie: In zahlreichen Projekten werden neue Technologien und Prozesse genutzt, ob in der Ausbildung, der Produktion oder im Labor. Mehr dazu lesen Sie in unserem Themenschwerpunkt „Arbeiten 4.0“.
 

Die Arbeitskosten in der deutschen Chemieindustrie sind die zweithöchsten weltweit. 2016 kostete die Arbeitsstunde hierzulande knapp 54 Euro – nur Belgien war mit knapp 58 Euro teurer. Traditionelle Wettbewerber wie die USA und Japan lagen bei gut 41 bzw. knapp 37 Euro, aufstrebende Konkurrenten in Osteuropa wie Polen bei kaum 10 Euro. Ähnlich sieht es bei den Energiekosten aus: Die Megawattstunde Strom kostete die deutsche Industrie im zweiten Quartal 2017 rund 127 Euro, genauso viel wie in Japan, aber mehr als doppelt so viel wie in den USA. Dabei ist der Marktpreis für Strom in den vergangenen Jahren gefallen – die Preissteigerungen sind also alleine auf das Abgaben-Plus durch die EEG-Umlage zurückzuführen. Solche Eingriffe schwächen die Wettbewerbsposition Deutschlands.

Die Kehrseite der hohen Arbeitskosten sind die attraktiven Löhne in der deutschen Chemie: 2016 verdiente ein Beschäftigter in Vollzeit durchschnittlich 66.200 Euro brutto – ein Topwert im Vergleich der großen Industriebranchen, der das hohe Qualifikationsniveau und die Wertschöpfung reflektiert, die die Mitarbeiter in Deutschland erbringen. Bei der weiteren Lohnentwicklung wird es darauf ankommen, die Mitarbeiter am Branchenerfolg zu beteiligen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu gefährden. Das könnte der Fall sein, wenn die Löhne stärker steigen als die Produktivität, die Unternehmen also nicht so viel zusätzlich erwirtschaften wie sie zusätzlich verteilen müssen.

Die Politik wiederum ist gefragt, die Arbeitskosten nicht unnötig in die Höhe zu treiben durch Pläne wie die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Nötig ist zudem eine Reform der Finanzierung der Energiewende, die nicht wie die EEG-Umlage die Industrie unverhältnismäßig belastet.

Die Absatzmärkte haben sich in den vergangenen Jahren nach Asien und besonders China verschoben. Der China-Boom hat dazu geführt, dass deutsche Unternehmen verstärkt direkt vor Ort investieren, um mit Knowhow und Produkten präsent zu sein und Arbeits- und Transportkosten zu sparen. Einen ähnlichen Kosteneffekt könnte die Steuerreform in den USA haben, die es für Unternehmen finanziell attraktiver macht, dort zu forschen und Werke aufzubauen. Abzuwarten bleibt, wie weit die US-Regierung ihre Pläne zur wirtschaftlichen Abschottung durch Zölle treibt. Sollten diese auf chemische Produkte erhoben werden, könnte das die Abwanderungstendenzen Richtung USA verstärken. Hinzu kommt die Digitalisierung: Zwar profitiert die Chemieindustrie in Deutschland von ihren Erfahrungen in der Automatisierung und dem rechtzeitig angestoßenen Wandel ihrer Berufsbilder. Andere Länder haben aber einen Vorsprung bei der schnellen und zuverlässigen Breitbandversorgung – der technischen Basis für mehr digitale Vernetzung und digitales Wachstum.

Der Arbeitgeberverband BAVC und die Gewerkschaft IG BCE haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Instrumente entwickelt und genutzt, um die Beschäftigung zu sichern und den Standort Deutschland zukunftsfähig zu machen. Die Chemieindustrie hat als erste Branche des Verarbeitenden Gewerbes flexible Arbeitsmodelle wie Telearbeit und (Alters-)Teilzeit tarifvertraglich umgesetzt sowie betriebliche Differenzierungen bei Arbeitszeit und Entgelt ermöglicht. Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt und ihren Folgen für die Chemie befassen die Sozialpartner sich seit 2016 im Dialog „WORK@industry4.0“. Sie wollen darin Ideen entwickeln, wie Unternehmen und Mitarbeiter die Chancen der Digitalisierung bestmöglich nutzen können. Gemeinsam mit dem Branchenverband VCI haben die Sozialpartner zudem die Initiative Chemie3 gestartet, die Nachhaltigkeit als Leitbild in der chemischen Industrie verankern will – und somit auch als Argument im globalen Wettbewerb.

Besonders greifbar wird die Rolle der Sozialpartner für die Standortsicherung aber in Tarifverhandlungen über Lohnsteigerungen: Arbeitgeber und Gewerkschaft müssen hier einen Verteilungskonflikt regeln, der die Mitarbeiter angemessen am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen beteiligt, die Unternehmen aber nicht zu sehr belastet und ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit erhält.
 

Arbeitgeber verarbeiten personenbezogene Daten ihrer Mitarbeiter in der Regel für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses. Dabei handelt es sich um Daten wie Name, Anschrift, Sozialversicherungsnummer oder Bewerbungsunterlagen – allesamt Daten, die für die Entscheidung über die Begründung, Durchführung oder Beendigung eines Beschäftigtenverhältnisses erforderlich sind. Die gesetzliche Grundlage dafür ist das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG).

Darüber hinaus können Unternehmen personenbezogene Daten von Mitarbeitern auch auf der Grundlage von Betriebsvereinbarungen erheben. Beispiel: elektronische Zeiterfassung. In diesem Fall einigen sich das Unternehmen und der Betriebsrat über die Rahmenbedingungen dieser Datenerhebung.

Eine weitere wichtige Rechtsgrundlage stellt die Einwilligung im Arbeitsverhältnis dar. Diese erfordert eine umfassende Information des Mitarbeiters über den Umfang und die Art und Weise der Datenverarbeitung. Ein typischer Fall ist die Einwilligung in die Veröffentlichung eines Mitarbeiterfotos.

Bei der Einführung neuer Technologien im Unternehmen, die geeignet sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen, steht dem Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht zu.

Der Schutz von Daten und Informationen verpflichtet nicht allein den Arbeitgeber. Auch die Beschäftigten haben dafür Sorge zu tragen, dass sie den Datenschutz einhalten. Dies gilt insbesondere beim Umgang mit Daten durch den Arbeitnehmer. Losgelöst von den datenschutzrechtlichen Fragestellungen, dürfen Betriebsinterna nicht nach außen getragen werden. Dies steht im Arbeitsvertrag und folgt auch aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Also auch ohne explizite Vereinbarung im Arbeitsvertrag haben Beschäftigte immer eine Verschwiegenheitspflicht: Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse, die im Rahmen des Dienstverhältnisses anvertraut oder zugänglich gemacht wurden, dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden. Als Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis gilt dabei jede Tatsache, die sich auf das Geschäft oder den Betrieb bezieht, die nur einem begrenzten Personenkreis bekannt ist und die die Geschäftsleitung erkennbar geheim halten will.

Die Digitalisierung und die dynamischen Entwicklungen rund um die „Industrie 4.0“ verändern zahlreiche Wirtschaftszweige nachhaltig. Neben den Potenzialen gibt es auch zahlreiche Risiken, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Zu ihnen zählt insbesondere die Cyberkriminalität.

Cyberrisiken sind komplexe Risiken: Im Visier haben Cyberkriminelle vor allem die Systemverfügbarkeit sowie Mitarbeiter- und Systemzugangsdaten. Sie erbeuten Produkt- oder Entwicklungsinformationen oder die Daten Dritter (ggfs. auch der Mitarbeiter). Der Schaden ist mitunter enorm.

Im Falle einer Cyberattacke stehen oftmals mehr als nur verlorene Daten auf dem Spiel. In einem sich schnell verändernden Umfeld kann ein Cyberangriff zu Sachschäden, längerer Betriebsunterbrechung oder Schäden für die Kunden und Mitarbeiter führen.

Systemausfälle verursachen zudem erhebliche Folgekosten, zumal die Systemabhängigkeit der Unternehmen im Zuge der Digitalisierung steigt. Gerade in der Chemie: In einem Chemiepark sind mehrere Unternehmen über gemeinsame Wertschöpfungsketten vernetzt; sie teilen sich die standortbezogene Infrastruktur und Dienstleistungen. Der einzelne Betrieb ist dadurch von fremden Systemen abhängig und so von mehreren Seiten angreifbar.

Wer seine Daten sichern will, sollte sie sowohl vor illegalem Zugriff, Änderung, Löschung, Kopie als auch vor physischem Verlust schützen. Der Schutz der Daten ist dabei eine gemeinsame Aufgabe von Unternehmen und Beschäftigten. Hilfestellung bietet hier insbesondere das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das auf seiner Homepage zahlreiche Empfehlungen aufführt.

Hier fünf Tipps, wie Unternehmen und Beschäftigte gemeinsam ihre Daten schützen können:

1. Anwender schulen
„Wissen ist Macht“: Nie war dies wichtiger als in Bezug auf Datensicherheit. Nur wer weiß, welche Bedrohungen existieren und wie man sich dagegen verteidigt, kann seine Daten effektiv schützen. Vom Systemadministrator bis zum Auszubildenden sollte jeder (im Rahmen seiner Tätigkeit) über Bedrohungen und Schutzmechanismen Bescheid wissen. Sensibilisierte Anwender helfen, unbefugten Zugriff auf Unternehmenssysteme zu verhindern und die Gefährdung des gesamten Netzwerks durch Malware (Schadsoftware) und Ransomware (Software, die den Computer sperrt und nur gegen „Lösegeld“ freigibt) zu verringern.

Denn häufig sind es die Mitarbeiter, die Cyberkriminelle im Blick haben, um Zugang zu Unternehmensnetzwerken zu erhalten. Dies liegt oftmals daran, dass es an klar formulierten Sicherheitsrichtlinien mangelt. Verbreitet ist auch Unkenntnis darüber, wie sich einzelne Tätigkeiten auf das gesamte Netzwerk auswirken können.

Beschäftigte sollten lernen, Vorfälle zu erkennen und zu melden. Hierbei helfen Verhaltensrichtlinien, die festlegen, wer welche Daten besitzen, einsehen, ändern oder löschen darf; wie und von wo auf Daten zugegriffen werden darf; welche Standards für Datenvernichtung, Datenweitergabe und Datenspeicherung gelten sollen.

2. Backups erstellen
Tritt der Ernstfall ein, sind zuverlässige Daten- und Systemsicherungen entscheidend, um nach einem Angriff eine Wiederherstellung anstoßen zu können. Netzwerkserver und Workstations sollten dafür so oft wie möglich gesichert werden, je nach den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens. Zielsetzung und Maßnahmen im Detail sollten auf einer umfassenden Backup-Strategie fußen.

3. Authentifizierung sicher gestalten
Nutzer-Accounts sollten besonders geschützt sein. Ein Passwort sollte 8-12 Zeichen lang sein und aus Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung, Ziffern sowie Sonderzeichen bestehen und regelmäßig geändert werden.

Will man sein System schützen, reichen gute Passwörter allein aber nicht aus. Zu empfehlen ist ergänzend mindestens eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das bedeutet, dass man mehr als einen Schlüssel benötigt, um sich in ein System einloggen zu können. Dies kann zum Beispiel die Nutzung eines Passworts und eines sogenannten Tokens sein. Das Token sollte mit Hilfe eines Token-Generators erstellt werden. Wichtig hierbei ist, dass bei jedem Login-Vorgang ein neues Token erstellt wird. Das Token entspricht also in etwa einer TAN, die man aus dem Onlinebanking kennt.

4. Updates
Halten Sie alle Ihre Systeme immer aktuell. Spielen Sie Updates für sämtliche in Ihrem Unternehmen genutzte Software ein. Prüfen Sie regelmäßig, ob neue Updates für Ihr System und die genutzte Software vorliegen.

5. Verschlüsselung
Verschlüsseln Sie Ihre Daten, egal auf welchem Medium (Server, PC, Laptop, USB-Sticks etc.) sie gespeichert sind. So machen Sie es Unbefugten schwerer, auf Ihre Daten zuzugreifen.