Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet

Hier finden Sie Antworten der Chemie-Arbeitgeber auf viele Fragen, die Mitarbeiter und Unternehmen unserer Branche bewegen. Unsere Antworten sind verständlich aufbereitet und greifen aktuelle Entwicklungen auf, die in den Betrieben diskutiert werden.

Die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft kann nur mit digitaler Bildung gelingen. „Digitale Bildung“ meint die Befähigung von Menschen, den digitalen Wandel im privaten und beruflichen Alltag als mündige Bürger erfolgreich zu bewältigen und von technischen Möglichkeiten verantwortungsvoll Gebrauch zu machen. Dazu zählen neben der Sicherheit in der praktischen Handhabung von PC, Smartphone, Tablet und Co. auch Selbstmanagement-Kompetenzen, Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Innovationsgeist. Wichtig ist, auch die Berufsschulen fit zu machen für den digitalen Wandel. Sie benötigen massive Investitionen in Infrastruktur, Fachpersonal und Qualifizierung.

Nein. Die Unternehmen halten die gesetzlichen Bestimmungen zum Arbeitnehmerdatenschutz ein. Das schließt eine ständige Überwachung der Mitarbeiter aus. Zudem regeln Betriebsrat und Unternehmensleitung oft gemeinsam über zusätzliche Betriebsvereinbarungen, wie der Datenschutz vor Ort gewährleistet wird.

Ein Ziel im Rahmen der Digitalisierung ist, Arbeit einfacher und produktiver zu gestalten. Zugleich eröffnet zum Beispiel der Einsatz mobiler Endgeräte mehr Freiraum auch für die Beschäftigten. Zeitgemäße Führung lässt einen „kontrollierten Kontrollverlust“ über Arbeitszeit und -ort des Mitarbeiters zu, ist wertschätzend, eher projekt- als hierarchieorientiert und setzt auf die Vorbildfunktion des Vorgesetzten. Was zählt, ist das Ergebnis.

Das kommt darauf an. Wer sein Smartphone immer dabei hat und pausenlos die Mails checkt und beantwortet, wird auf Dauer unter der ständigen Erreichbarkeit leiden. Es kommt darauf an, dass Unternehmen und Mitarbeiter die Chancen der Digitalisierung verantwortlich nutzen und sich der Risiken bewusst sind. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer eigenverantwortlich mit den neuen Möglichkeiten umgeht und die Unternehmen die Technik nicht auf Kosten der Beschäftigten nutzen. Unter dem Strich wird es viel mehr Mitarbeiter geben, die von der digitalen Erreichbarkeit profitieren, etwa indem sie von unterwegs oder zu Hause arbeiten und Beruf und Privatleben besser vereinbaren können.

Offenheit für Veränderung ist keine Frage des Alters. Die Digitalisierung der Arbeitswelt stellt alle Beschäftigten vor eine große Herausforderung. Tätigkeiten verändern sich, manche fallen weg und neue entstehen. Entscheidend ist, sich auf die Entwicklung einzulassen – mit mehr Bildung, Neugier und einem gesunden Maß an Verantwortung für die eigene Beschäftigungsfähigkeit.

Nein. Die Agenda 2010 hat die deutsche Wirtschaft besser und wettbewerbsfähiger gemacht. Auch dank der Agenda-Politik feiern wir Jahr für Jahr neue Beschäftigungsrekorde. Damit das so bleibt, müssen wir weiterhin den Anspruch haben, Arbeitslose möglichst schnell in Jobs zu bringen – statt die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes zu erhöhen. Denn das würde die Sozialausgaben weiter in die Höhe treiben. Und die steigen in Deutschland schon seit fünf Jahren schneller als die Wirtschaftsleistung.

In der Rentendebatte wird das Risiko von Altersarmut zu oft überzeichnet, um damit politische Forderungen zu begründen. Dabei sind derzeit weniger als drei Prozent der Altersrentner auf die Grundsicherung angewiesen. Bis 2030 wird ihr Anteil auf maximal fünf Prozent steigen. Das zeigt: Altersarmut wird kein Massenphänomen. Zugleich wird zu oft ausgeblendet, dass infolge der demografischen Entwicklung immer weniger Beschäftigte immer mehr Renten finanzieren müssen. Dies stellt die gesetzliche Rentenversicherung vor enorme Herausforderungen. Deswegen hat der Gesetzgeber bereits Anfang der 2000er Jahre entschieden, das Renteneintrittsalter anzuheben, das Leistungsniveau zu reduzieren und zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge zu fördern. Nur so werden die Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung bei gleichzeitig sinkendem Arbeitskräftepotenzial fairer zwischen den Generationen verteilt.

Die Einschränkung von Befristungen schafft nicht mehr unbefristete Jobs; sie führt lediglich dazu, dass befristete Jobs gar nicht mehr angeboten werden und damit vielen Menschen dieser Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht mehr offensteht. Zudem sollte man die Relationen kennen: Befristungen machen nicht einmal zehn Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse aus. Nur ein Bruchteil davon erfolgt ohne Sachgrund. Hinzu kommt, dass fast 40 Prozent der befristet Beschäftigten nach Ablauf der Befristung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Das zeigt: Oft ist die Befristung ein Sprungbrett für einen unbefristeten Stammarbeitsplatz. Auch die sachgrundlose Befristung ist ein wichtiger Beitrag zur Flexibilität der Wirtschaft: Sie baut Einstellungshürden ab und erhöht die Chancen auf einen dauerhaften Arbeitsplatz. Befristungen sind nicht zuletzt Ausdruck unternehmerischer Freiheit, die nicht eingeschränkt werden darf.

Als international agierende Hightech-Industrie setzt die Chemie auf qualifiziertes Fachpersonal entlang der gesamten Wertschöpfungskette, ob Facharbeiter, Meister, Techniker oder Akademiker. Die Belegschaften in der Chemie-Branche verfügen über ein im Industrievergleich hohes Qualifikationsniveau. Fast 9 von 10 Chemie-Beschäftigten haben eine duale Ausbildung oder eine höhere Qualifikation. Was den fachlichen Hintergrund angeht, haben zwei Drittel der Beschäftigten  eine MINT-Qualifikation – dies gilt sowohl im beruflichen als auch im akademischen Beschäftigtensegment. Nach der Ausbildung ist mit der beruflichen Entwicklung noch lange nicht Schluss: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in der Chemiebranche, sich weiterzubilden und einen Schritt vorwärts zu gelangen, darunter Zertifikatslehrgänge, Aufstiegsfortbildungen, Meister-Fortbildungen oder ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium. Eine Übersicht der Entwicklungschancen und der konkreten Wege, sie zu nutzen, bietet der Berufskompass Chemie: www.berufskompass-chemie.de

Gerade auf dem Gebiet der Weiterbildung investiert die Chemie mit rund 1.300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr deutlich mehr in ihre Beschäftigten als der Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes (1.169 Euro). Dies lässt sich auch an der Weiterbildungsbeteiligung ablesen: 91,3 Prozent der Chemie-Unternehmen haben ihre Mitarbeiter im Jahr 2013 weitergebildet (Verarbeitendes Gewerbe: rund 84 Prozent). Hauptmotive für das Weiterbildungsengagement sind der Erwerb neuer Kompetenzen, die Erhöhung der Motivation und Arbeitszufriedenheit sowie die langfristige Bindung von Mitarbeitern. Die Gedankenspiele des Arbeitsministeriums, die Bundesagentur für Arbeit zu einer Art 'Bundesweiterbildungsbehörde' umzubauen, führen aber zu weit: Weiterbildung muss vom betrieblichen Bedarf her gedacht werden, denn die Qualifizierung der Beschäftigten ist so vielfältig wie die Beschäftigten selbst.